Die Deutsche Gesellschaft für Personalwesen e. V. (dgp) beleuchtet in einem aktuellen Fachbeitrag die Chancen und Grenzen von Künstlicher Intelligenz (KI) im Personalmanagement. Während der Einsatz von KI in Organisationen oft als Heilsbringer für Effizienzsteigerungen angepriesen wird, zeigt die Realität in deutschen Personalabteilungen ein differenzierteres Bild. Und: bislang nutzen lediglich rund zehn Prozent der HR-Abteilungen KI-Systeme im Regelbetrieb.
Wahrscheinlichkeit statt echtem Verstehen
In einer aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Wirtschaftspsychologie aktuell ordnen Johannes Fesefeldt und Dr. Anna-Lena Jobmann, beide für die dgp tätig, ein, was Sprachmodelle wie ChatGPT oder Gemini tatsächlich leisten können. Ein zentraler Aspekt ist dabei das Verständnis der technologischen Basis: Moderne Large Language Models (LLMs) basieren auf Wahrscheinlichkeitsrechnungen und der Verknüpfung von Wortbestandteilen, sogenannten Tokens.

Risiken und rechtliche Rahmenbedingungen
Der Beitrag macht deutlich, dass der Einsatz von KI im HR-Bereich – etwa beim Onboarding oder dem Führungsfeedback – mit spezifischen Herausforderungen verbunden ist:
Bias und Diskriminierung: KI-Modelle können gesellschaftliche Vorurteile aus ihren Trainingsdaten übernehmen und in der Anwendung verstärken.
EU AI Act: Das weltweit erste umfassende KI-Gesetz stuft KI-gestützte Bewerbungsverfahren als „Hochrisikosysteme“ ein, was strenge Auflagen wie Grundrechtsfolgenabschätzungen nach sich zieht.
Halluzinationen: Ohne entsprechende Absicherung besteht das Risiko, dass die KI falsche Informationen generiert.
Der Mensch als Korrektiv
Trotz dieser Grenzen sieht die dgp die KI als wertvolles „digitales Helferlein“ und Inspirationsquelle für die Personalarbeit der Zukunft. Entscheidend für den Erfolg ist jedoch die Kompetenz der Anwender*innen. Durch Strategien wie „Advanced Prompting“ und eine kritische Reflexion der Ergebnisse können HR-Verantwortliche die Stärken der Technologie nutzen, ohne die Verantwortung aus der Hand zu geben.
Fazit: Denken ist kein formaler Vorgang, der einfach von einer Maschine reproduziert werden kann. Die menschliche Erfahrung, ethische Bewertung und finale Entscheidung bleiben auch im Zeitalter der KI unverzichtbar.
Über die dgp
Die Deutsche Gesellschaft für Personalwesen e. V. (dgp) ist seit 1949 eine verlässliche Partnerin für fundierte und erfolgreiche Personalarbeit. Ob öffentliche Verwaltung, privates Unternehmen oder gemeinnützige Stiftung – Organisationen jeder Größe stehen heute vor der Herausforderung der digitalen Transformation. Auch die dgp begleitet diesen Wandel aktiv: In diesem Zusammenhang setzt sie sich intensiv mit den Potenzialen und Risiken Künstlicher Intelligenz (KI) sowie deren tiefgreifender Bedeutung für die Arbeitswelt und die moderne Personalpsychologie auseinander.